Es war einmal ein Mensch, der liebte. Er liebte wie Gott. Gott kann lieben. Er liebt alles. Alles, was ist.
Gott liebt alles, was ist, und auch der Mensch liebte, alles was ist. Sie waren eins. Gott und der Mensch waren eins. Alles war gut. Alles konnte sein. Das Paradies konnte sein. Gott wollte es. Der Mensch wollte es.
Der Mensch liebte. Er liebte sich für das, was er konnte. Er liebte Gott für das, was er ihm geschenkt hatte. Er liebte Gott von ganzem Herzen. Sein Herz war voller Freude, wenn er an Gott dachte. Er liebte Gott und war mit Gott. Gott und er wollten zusammen sein. Alles war gut. Gott wollte. Der Mensch wollte. Alles war gut, weil Gott und der Mensch zusammen waren.
Sie waren miteinander unterwegs. Liebten, was da war. Es war immer schon viel da. Man konnte es sehen. Man wollte sehen, was da war. Gott beschenkte den Menschen reichlich. So reichlich, dass er ständig in der Freude war ob all dessen, was er sah. Die Schöpfung beschenkte ihn reichlich, den Mensch, der da war und mit Gott war. Der mit Gott sein wollte, weil er wusste: „Mit Gott unterwegs zu sein ist wunderbar. Wunderschön, einfach wunderschön.“ Der Mensch war glücklich. Zufrieden auch. Er wollte nichts anderes, als mit Gott unterwegs zu sein.
Ihre Herzen waren miteinander verwoben. Das Herz Gottes und das des Menschen. Sie waren eins. Sie konnten alles wissen, was im Herzen war. Liebe war. Gemeinschaft war. Man wollte.
Man wollte alles teilen. Man wollte zusammen sein. Man wollte sich sehen. Alles miteinander teilen und alles gemeinsam sehen, was da war. Es sollte viel sein, was da war. Der Mensch sollte glücklich sein. Gott sollte glücklich sein. Beide waren glücklich, weil alles da war, was sie wollten.
Gott wollte mit dem Mensch sein. Der Mensch wollte mit Gott sein. Nichts sollte sie trennen. Nichts zwischen ihnen stehen. Alles sollte gut sein. Alles sollte klar sein. Nichts sollte da sein, was den Menschen nicht sein ließ, was er war. Ein Liebender.
Gott wollte alles tun, damit Liebe sein konnte. Gott liebte den Menschen so, wie er war. Er war gut. Konnte viel. Wollte viel. Ging vorwärts. Wollte vorwärtsgehen und mit Gott tun, was sein sollte. Die Schöpfung sollte immer weiterentwickelt werden. Mit ihr der Mensch.
Gott wollte sehen. Der Mensch wollte sehen. Alles war gut. Gott und der Mensch wollten dasselbe. Sie wollten sehen, was sein kann, wenn Gott und der Mensch zusammen unterwegs sind.
Alles konnte sein, wenn Gott wollte. Alles konnte sein, wenn der Mensch wollte. Das war wunderbar. Gott und Mensch wollten dasselbe. Sie gingen denselben Weg.
Gott wollte. Der Mensch wollte. Nichts sollte das ändern. Nichts sollte jemals zwischen ihnen stehen. Nichts sollte sie daran hindern, zu sein. Mensch und Gott eins. Eins und miteinander unterwegs.
Es war so. Das Paradies war. Alles war gut. Der Mensch und Gott gemeinsam unterwegs.
Gott liebte. Der Mensch liebte.
Liebe war.
Dann, als Gott dem Menschen den freien Willen gab, änderte sich viel. Der Mensch wollte nicht mehr mit Gott sein. Er wollte mit dem sein, was er für wichtig hielt. Mit all den Dingen, die er für wichtig hielt. Dinge, von denen er glaubte, dass sie ihm helfen können. Dass sie ihn glücklich machen können. Dass sie ihn auch zufriedenstellen können.
Der Mensch änderte sich. Er ging allein. Dachte. Er nahm Gott dann an, wenn etwas nicht gut war. Dann wollte er mit Gott sein. Dann tat er etwas, von dem er glaubte, dass es ihm helfen könne, das zu überwinden, was da war und ihm Probleme bereitete. Er betete. Je nachdem, wie groß sein Problem war, tat er immer mehr, damit Gott ihm helfen würde, auch sein größtes Problem zu lösen. Dabei war ihm aber nicht Gott wichtig, sondern das, was ihm helfen würde, seine Problem zu lösen.
Gott wurde zum Mitarbeiter. „Wenn ich ein Problem habe, das ich nicht lösen kann, dann sehe ich dich. Dann bist du plötzlich gut. Dann nehme ich dich und lasse dich tun. Dann darfst du tun. Wenn du gelöst hast, was ich will, kannst du wieder gehen. Du hast getan, was ich wollte. Das war es. Jetzt brauche ich dich nicht mehr.“
Gott sah. Auch der Mensch wurde wie Gott immer weniger wichtig. Er sollte da sein, wenn er nützlich war. Gott sollte auch nützlich sein. Da sein, wenn das Problem so groß war, dass der Mensch es nicht lösen konnte. Gott und der Mensch waren wie ein Ding. Man nimmt es, wenn man es braucht. Dann, wenn es getan hat, was man will, entscheidet man weiter. Man lässt es oder lässt es nicht. Je nachdem, ob es noch nützlich sein kann oder nicht.
Es wurde immer schlimmer. Der Mensch konnte nicht mehr sein. Er konnte nicht mehr sein, wie er sein wollte. Er konnte auch nicht mehr tun, was er wollte. Er musste viel. Die Dinge wurden immer wichtiger. Man wollte ihn nicht mehr. Der Mensch sollte nicht mehr sein.
Menschsein sollte nicht mehr möglich sein.
Gott kann den Menschen nicht lassen. Er liebt. Er verzeiht. Der Mensch kann tun, was er will, Gott lässt ihn nie im Stich. Gott ist da und tut. Er tut, was Menschen nicht tun können. Gott tut mit allem damit Menschsein wieder möglich ist. Damit Liebende sein können.
Der Mensch kann nicht nichts sein. Er ist ein Teil der Schöpfung. Der Mensch ist wichtig. Die Schöpfung kann nur weitergehen, wenn auch der Mensch weitergeht. Wenn er ist, was er ist.
Ein Liebender.
Die Geschichte ist nicht fertig erzählt. Die Geschichte, die zeigt, was der Mensch tun kann, wenn er nicht ist. Wenn er kein Liebender ist. Wenn er denkt und tut, was er denkt. Dann kann sein, was jetzt ist. Nicht, was Gott will und was der Mensch will. Die Geschichte endet hier nicht. Sie geht weiter.
Es sei. Liebe sei.
Der Mensch konnte es nicht glauben. Da war etwas in ihm, was ihn in die Lage versetzte, alles zu tun. Alles, was er tun wollte. Es war Wissen. Wissen, das er in sich hatte.
Er wusste schon, dass es ein Bewusstsein gab, nur er wusste nicht, wie er mit dem Bewusstsein in Kontakt kommen konnte. Man hatte es ihm verweigert, das Wissen, das es ihm möglich gemacht hätte, mit dem Bewusstsein in Kontakt zu kommen.
Der Mensch wusste auch, wie es war, wenn er sich etwas bewusst wurde. Es war wie ein Blitz. Eine Idee. Ein intuitives Wahrnehmen nannten es die Menschen. Sie sind dann meist weitergegangen – die Menschen –, ohne dass sie etwas unternahmen für das, was sich ihnen zeigte. Der Blitz war ihnen nicht klar genug. Er zeigte nicht klar genug, was sie tun sollten. Sie dachten: „Ein Hirngespinst. Nicht realistisch.“ Ihre Gedanken sagten ihnen auch gleich: „Nimm dich in Acht, das könnte gefährlich werden. Du riskierst damit zu viel. Mach lieber weiter mit dem, was du hast.“
Der Mensch ging vorwärts. Tat, was man tut. Der „Man“ ließ ihn nicht tun, was er wollte. Der „Man“ in ihm war mächtig. Er war immer da. Er sagte, was man tut, wenn man erfolgreich sein will. Der „Man“ war oft so dominant, dass er nicht aufhören konnte zu denken. Da waren auch Gedanken, die er nicht wollte. Er konnte sie aber nicht abstellen. Das, was in ihm war und ständig Gedanken produzierte, ließ ihm keine Ruhe. Wollte immer Aufmerksamkeit. War hartnäckig darauf bedacht, ihn ständig zu beschäftigen.
Beschäftigung war wichtig. Man musste. Man konnte nicht anders. Es war notwendig. Leben mit Druck war normal. Der Mensch im Stress. Krankheiten waren da. Viele von ihnen dem Dauerstress geschuldet, den man hatte. Man musste immer. Immer mehr, damit man sich auch leisten konnte, was man haben musste, um jemand zu sein. Jemand zu sein war wichtig. Man war jemand, wenn man viel Geld hatte. Man war jemand Besonderer, wenn man Geld und Macht hatte.
Der Mensch war immer weniger wichtig. War er nützlich, dann war er gut. Nützlich war jemand, wenn man ihn für Arbeiten brauchte, die man selbst nicht tun wollte, und natürlich auch, wenn er Geld ausgab. Heißt: „Wenn er konsumierte.“
Menschen, die nicht nützlich waren, wollte man nicht. Sie kosteten nur. Also musste man dafür sorgen, dass sie nicht lange blieben. Man fand Mittel und Wege, sie aus dem Weg zu schaffen.
Mensch – siehst du nicht, was ist? „Nein, ich sehe nicht, was ist. Ich will nicht sehen, was ist. Noch bin ich nicht betroffen. Die Betroffenen sollen sehen, wie sie mit dem, was ist, zurechtkommen.“
Das war so. Menschen fühlten sich nicht verantwortlich für das, was woanders geschah. Sie glaubten, dass sie, solange sie nicht betroffen sein würden, nichts tun müssten, um dafür zu sorgen, dass sich etwas änderte – dass verhindert würde, was Menschen nicht tun dürfen.
Gott sah. Hörte die Klagen der Menschen. Sah das Leid der Menschen. Tausende von Jahren war es so. Unendlich viele Menschen litten unter dem, was nur einige Menschen veranlassten. Immer wieder von Neuem veranlassten.
„Gott muss es doch sehen“, dachten Menschen. „Er wollte es so.“ Anders konnten sich Menschen nicht vorstellen, dass es so sein konnte. Dass so viel geschah, ohne dass Gott eingriff – Krieg und Zerstörung beendete.
„Mensch – siehst du nicht? Siehst du nicht, dass du es bist, der all das veranlasst, was ist?“, sagten viele, die da waren und wussten. Jesus war da und sprach: „Kehrt um.“ Viele andere waren da und sagten in anderen Worten dasselbe. Nichts geschah. Der freie Wille des Menschen wütete unter den Menschen. Ließ Menschen nicht sein.
Götter waren da. Taten, was die wollten, die das Sagen hatten. Götter waren nicht nur dazu da, Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, sondern auch dazu, damit man den Menschen sagen konnte, was die Götter wollten. Ihr Wollen sollte geschehen. Ihr Wollen war wichtig. Ihr Wollen ließ Menschen tun, was man wollte. Diejenigen, die wussten, wussten auch, wie es ging. Wie es ging, dass man Menschen mit Göttern gefügig machen konnte.
All das war. Es war – und Menschen konnten nicht sehen. Wollten nicht sehen, was da geschah.
Es kam immer wieder dasselbe. Immer wieder Leid und Zerstörung. Menschen hörten nicht auf zu glauben, dass sie da sind, um zu tun, was jemand will. Jemand, der ihnen sagen konnte, was sie tun sollen. Dieser „Jemand“ konnte ihnen sagen, was sie tun sollen, weil er mächtig war. Wie war er das geworden? Er war in der Regel am Anfang jemand, der von Geburt dazu berufen war, Menschen zu führen. Dann war es immer mehr so, dass Geld das war, was alles möglich machte. Schließlich war es nur noch Geld, das alles möglich machen sollte. Menschen mit Geld bestimmten alles. Sie gingen über Leichen für Geld.
Sie waren nicht mehr da. In ihren Gedanken verloren. Gedanken, die ihnen sagten: „Geld und Macht ist alles, was du brauchst, um alles tun zu können, was du willst.“
Sie konnten alles tun, was ihnen ihre Gedanken sagten. Es war fürchterlich, was ihnen ihre Gedanken sagten. Welches Leid sie damit für alle Menschen sein ließen. Ihr Leben war auf Machterhalt ausgerichtet. Nichts war wichtiger als Macht. Macht und Geld. Wobei Geld dazu da war, die Macht zu erhalten.
Es ging lange so. Menschen waren nichts. Sie sollten auch keine Menschen mehr sein. Sie sollten etwas sein. Etwas, was man nützen kann. Was man brauchen kann – gebrauchen kann für all das, was man will.
Es ging so nicht mehr. Gott sah und erkannte, dass sie Menschen nicht mehr sein lassen wollten. Das konnte nicht sein.
Der Mensch ist ein Teil der Schöpfung. Es kann nicht sein, dass er nicht mehr sein kann. Er ist, was er ist. Ein Liebender, der in der Schöpfung nicht fehlen darf. Er muss sein. Er ist wichtig.
Man sah das nicht. Man wusste nicht. Nein, man wusste viel, aber konnte nicht glauben, was sie mit Menschen tun wollten. Diejenigen, die da waren und taten, was Menschen nicht tun dürfen. Sie sind nicht. Ihre Gedanken haben sie übernommen. Ihr Leben ist verloren. Nichts kann sie retten. Alles, was sie tun, kann nicht sein. Es ist, aber kann nicht sein, wenn Menschsein möglich sein soll.
Gott sieht. Der Mensch sieht nicht. Gut, er muss sich dessen bewusst werden, was sein soll – mit ihm sein soll. Das kann sein, wenn Gott will.
Gott will. Er kann nicht sein lassen, was ist. Menschen müssen bewusst werden. Das Bewusstsein muss sein. Es kann nicht länger warten. Es muss jetzt alles sein, was notwendig ist, damit Menschsein möglich ist.
So ging die Geschichte.
Menschen sind. Sie sind, was sie sind. Es ist alles, wie es ist. Nichts kann das ändern. Die Geschichte zeigt, was sein kann, wenn der Mensch denkt. Die Geschichte zeigt auch, was ist, wenn der Mensch bewusst ist.
Wenn er liebt.
Gott ist. Der Mensch ist. Die Energie Gottes hält alles zusammen. Alles kann sein, weil Gott es so will. Nichts kann sein, was Gott nicht will.
Es war einmal, dass Menschen einen Weg gingen, der nicht gut für sie war. Menschen lernen. Sie sind auf der Erde, um zu lernen. Es hat lange gedauert, bis sie lernten, wieder das zu sein, was sie waren. Was sie waren, bevor sie ihren eigenen Willen lebten. Es hat sich gezeigt, dass Menschen, wenn sie von Gott getrennt sind, sich auf einen Weg begeben können, der nicht gut ist für sie. Das war so. Die Geschichte hat es gezeigt.
Es kann jetzt anders sein. Menschen können sein.
Können sein, was sie sind.
Liebende.
Die Geschichte endet hier. Sie hat gezeigt, was für Menschen wichtig ist. Nie mehr soll sein, was war. Menschen da, die in ihren Gedanken verloren sind. Die nicht mehr sind, weil sie von ihren Göttern übernommen wurden.
Gott ist da. Liebt. Liebt alles. Verzeiht alles. Geht mit allem.
So soll es sein. Nichts soll das ändern.
„Deine Aufgabe ist es nicht, Liebe zu suchen, sondern all die Mauern in dir einzureißen, die du gegen sie aufgebaut hast “ -Rumi-
Lieber Lothar,
Deine Geschichte hat mich tief berührt. Schon nach den ersten Zeilen hatte ich das Gefühl, dass sie nicht nur gelesen, sondern wirklich gespürt werden will. Sie ist voller Poesie, Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen – und zugleich von einer leisen, warmen Zärtlichkeit durchzogen, die lange nachklingt. Beim Lesen hat sich in mir eine tiefe Sehnsucht entfaltet, fast so, als würde etwas längst Vertrautes wieder in Erinnerung gerufen. Diese Sehnsucht war so stark, dass sie sich in meinen Tränen widerspiegelte – nicht aus Traurigkeit, sondern aus einer Mischung aus Erkennen, Verlust und gleichzeitig Hoffnung und Dankbarkeit, dass ich diesenn Ursprung hatte und zurückkehren kann. Für mich ist deine Geschichte weit mehr als nur ein Text. Sie ist eine Erzählung über den Ursprung des Menschen, über seinen Weg, seine Entfernung – und über die stille, aber immer vorhandene Möglichkeit der Rückkehr zu seinem eigentlichen Wesen. Besonders berührt hat mich der Gedanke, dass der Mensch sich verliert, wenn er nur denkt – und sich wiederfindet, wenn er bewusst wird. Wenn er liebt. Deine Worte zeigen auf eine sehr klare und zugleich sanfte Weise, wie weit sich der Mensch von sich selbst entfernt hat – und wie einfach der Weg zurück im Grunde ist. Nicht durch Leistung, nicht durch äußeren Erfolg, sondern durch etwas so Ursprüngliches wie Liebe. Es ist bewegend zu erkennen, dass trotz allem, was war und ist, diese Möglichkeit nie verloren gegangen ist. Heute, so scheint es, steht der Mensch tatsächlich vor dieser Entscheidung: Weiterleben im Denken, im Ego, im Druck – oder den Mut finden, zurückzugehen zu dem, was er im Innersten ist. Zur Liebe. Und genau darin liegt für mich die große Kraft deiner Geschichte: Sie verurteilt nicht. Sie drängt nicht. Sie erinnert. Sie erinnert daran, dass der Mensch wieder werden kann, was er einmal war – ein Liebender. Und dass Gott – egal, wie weit der Mensch sich entfernt hat – immer da ist. Liebend. Geduldig. Verzeihend.
Danke für „Deine wunderschöne Geschichte“- Laetitia