Ein wunderschönes Land in dem ich jetzt bin. So wie auch mein Heimatland. Alle Länder haben viel zu bieten, wenn wir es sehen. Das Sehen ist wichtig. Ich will zeigen. Zeigen, was ich sehe.
Ich sehe Naturschönheit. Kargheit. Felsen die sich zu riesigen Bergen auftürmen. Ich sehe Felsen, die so mächtig sind, dass man geradezu ehrfürchtig wird, ob dieser Macht, dieser Größe, die sich da zeigt. Man will sie auch sehen, die Mächtigkeit, weil die Mächtigkeit so schön ist.
Ich bin da, sagt der Berg. Tue. Was? Das könnt ihr nicht sehen, aber ich tue jedenfalls etwas. Es genügt auch schon, dass ich nur da bin, so viel Platz wie ich einnehme, ich mit meiner Größe. Ich liebe es, wenn ihr mich seht. Ich will, dass ihr mich seht. Ich will auch, dass ihr mich nicht nur seht, sondern euch auch freut, dass ich da bin. Ein Berg. Viele Steine. Riesige Steine, die seit Jahrtausenden da sind. Nein, das muss gar nicht sein. Es war oft schon ganz anders.
Es waren Steine da, die schon seit Jahrtausenden da waren und plötzlich haben sie begonnen, sich zu bewegen. Sie bewegten sich so stark, dass gleich ein ganzer Landstrich neu entstand. Er war neu, weil da etwas war, was vorher nicht da war, aber ob seiner schieren Größe einfach viel Platz einnahm. Man musste sich damit abfinden, dass er da war, der Stein, der Berg, der sich ganz neu einrichtete. Einrichten ist auch nicht das richtige Wort, aber er war halt da und tat etwas. Er bestimmte auch jetzt viel. Heißt: „Ob seiner Größe und Mächtigkeit konnte er auch viel Einfluss ausüben auf alles, was da war. Man konnte ihn nicht übersehen. Er war da und das genügte.“
So war es immer wieder. Überall war es so. Man kann sich das als Mensch nicht gut vorstellen, weil man ja nicht dabei war, aber Forscher die sich mit Gesteinsformationen auseinandersetzen wissen, dass es so war. Gewaltige Bewegungen gab es. Wir Berge sind einfach so. Nein, wir wollen eigentlich auch nicht, dass wir viel bewegen, aber manchmal müssen wir. Wir müssen zeigen, dass da etwas ist, was uns nicht mehr sein lässt.
Wir wollen eigentlich einfach sein. Wollen sein und tun. Tun, wofür wir da sind. Wir Berge sind für viel da. Unser Stein ist fest. Nein, wir haben auch Gestein, das gar nicht fest ist. Wir nehmen über dieses Gestein Wasser auf. Wasser, das wir dann auch weiterleiten. Ja, so kann man es sagen. Wir leiten Wasser ganz weit nach unten. So weit, dass man es nicht finden kann, wenn man nicht genau weiß, wo es ist. Wir sind wie riesige Wasserspeicher. Wasserspeicher, die Menschen nicht sehen. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass es das gibt. Wasserspeicher, die ganz tief unter den Bergen sind.
Gut, wir wollen auch nicht, dass Menschen darüber Bescheid wissen. Wir glauben, sie würden dann mit dem Wasser wieder das tun, was sie jetzt schon mit dem Wasser tun. Sie würden daraus Geschäfte machen. Riesige Geschäfte, die Menschen eigentlich nichts bringen, sondern nur denen etwas bringen, die da sind und mit all ihren Geschäften Menschen einfach nicht helfen, sondern sie nur ausnehmen.
Freunde – das wisst ihr aber schon. Es ist jetzt aber wichtig, dass wir immer mehr auch erkennen, dass die Natur uns einfach nicht mehr so haben will, wie wir sind. Nicht wertschätzend ihr gegenüber. Nicht willens, etwas zu ändern.
Nein – Freunde – das ist nicht ganz so. Es gibt viele Menschen, die die Natur wertschätzen. Die sie lieben. Die sich für sie einsetzen. Es ist aber auch so, dass es Menschen gibt, die das nicht tun. Die nicht sehen, was sie tun. Die nur das Geld sehen, das sie mit etwas, das gegen die Natur ist, ja auch gegen die menschliche Natur ist, verdienen können. Sie sind einfach auch nicht mehr in der Lage zu sehen. Die Gier hat sie voll im Griff. Jeder kann ihr erliegen. Der Gier.
Nur – Freunde – wir sägen uns dann den Ast ab, auf dem wir sitzen. Dann, wenn wir die Natur schädigen. Dann, wenn wir alles zupflastern um überall Wohnungen zu bauen die nicht für die Menschen vor Ort da sind, sondern nur für die, die Geld bringen. Sie sollen auch noch sehr viel bezahlen für die Wohnungen, die Menschen, die da kommen und ein paar Tage da sein wollen. Sie sind ein Geschäft. Menschen sollen kommen und gehen. Zahlen. Konsumieren.
Dann, nach der Saison steht alles leer. Niemand ist da, der eine Wohnung braucht, wenn die Saison vorbei ist? Nein, es sind viele da, die eine Wohnung brauchen würden, auch in der Saison, nur das will man nicht. Das ist kein Geschäft. Zu wenig Geld im Vergleich zu denen, die kommen und gehen. Mieter wollen wir nicht. Wir wollen Menschen, die für viel Geld einfach kurz da sind und dafür noch für alles bezahlen, was sie so tun.
Die anderen brauchen wir nur, damit sie uns helfen für die zu tun, die das große Geschäft sein sollen. Ob sie eine Wohnung haben oder nicht, ist uns gleichgültig. Wir müssen Geld verdienen. Das wieder hereinspielen, was wir für all die Wohnungen ausgegeben haben, die wir gebaut haben. Schnell muss das auch noch geschehen, sonst fressen uns die Zinsen auf. Wir können uns das nicht leisten, Menschen eine Wohnung zu geben, die da sind. Wir müssen sie an die vergeben die viel zahlen können. In wenigen Monaten viel Geld abliefern, das wir dann ja auch noch für den Bau weiterer Wohnungen verwenden können. Es soll so viel wie möglich hereinkommen. Es ist nie genug.
Freunde – ich sehe, was hier geschieht und frage mich, wie wird das weitergehen? Ich weiß nur, wie es in anderen Ländern ist. Genauso und es ist furchtbar, was dort schon geschehen ist. Landschaften voller Häuser. Strandnahe Siedlungen voll von „Hasenställen“, wie ich die Häuser bezeichne, die sie bauen. Hasenställe, weil sie alle gleich aussehen. Schnell gebaut. Man will schnell Rendite erzielen. Man will dann auch weiterbauen können. Überall. Überall, wo noch ein Blick auf das Meer möglich ist, ein Haus, viele Häuser.
Freunde – einst war es sehr schön hier. Es wird bald nur noch ein Häusermeer da sein. Häuser, die alle gleich aussehen. Keine Architektur, sondern Haselställe, die da sind, um Menschen einen Platz zu geben, an dem sie auf das Meer schauen können. Ja das auch. Nur es braucht jedes Haus heute einen Swimmingpool, damit es überhaupt noch vermietet werden kann. Es scheint so zu sein, dass niemand mehr das Meer will. Das Meer ist ja auch schon so verschmutzt durch all die Abwässer die ins Meer geleitet werden. Wasser ist knapp und auch nicht mehr gut, weil man darauf nicht achtet, sondern nur darauf achtet, was mit jedem Quadratmeter den man verbaut, verdient werden kann.
Wo Tourismus ist, geschieht überall für die Landschaft etwas, was man als Raubbau bezeichnen kann. Je nachdem, wie luxuriös es sein soll, beachtet man noch die Umgebung die rund um die Häuser sein soll. Je mehr verlangt wird, umso mehr Blumen und Büsche. Nur auch das ist nur Kalkül.
Hat nichts mit Wertschätzung für das Land oder die Menschen im Land zu tun. Man will Geld machen. Wenn man genug Geld gemacht hat, zieht man weiter. Verwüstet wieder. Wir sehen es überall. Landschaften die dem Geld geopfert werden. Geld, das nur einige wenige Menschen verdienen. Die anderen Menschen sind Saisonarbeiter, die im Vergleich zu denen die alles zerstören was an Schönheit da ist, nichts verdienen. Sie dürfen helfen. Helfen, damit man verdient. Meist Bauunternehmen und Banken, die alles finanzieren, was Geld bringt. Koste es, was es wolle.
Freunde – ich habe es mit den Bergen. Sie wollen so nicht mehr. Das ist doch nicht mehr Leben. Das ist Wahnsinn. Wirtschaft ist das auch nicht. Einige Wenige werden immer reicher. Der Rest kann sich nichts mehr leisten. Vor allem auch nicht eine Familie. Man ist Saisonarbeiter. Schuftet. Bekommt sehr wenig. Ist dann darauf angewiesen, dass man Arbeitslosengeld beziehen kann, wenn die Saison aus ist. Wieder belasten wir alle für die, die immer alles abkassieren.
Freunde – es ist klar. Wir sägen uns den Ast ab, auf dem wir sitzen. Das ist keine Strategie. Das ist eine Wirtschaft, die keine Vision hat. Die nichts mehr hat, außer: „Wir machen Geld.“
Der Berg. Er weiß. Er hat Erfahrung. Er hat gesehen. Er weiß, wir können bewegen, dann, wenn es zu viel ist. Zu viel von dem, was weder Menschen hilft noch der Natur, die unser aller Freund ist. Nur, wir haben aufgehört, sie wie einen Freund zu behandeln. Wir, die glauben, dass wir etwas können, was sie nicht kann.
Hoffen wir, dass sie uns nicht nachträgt, was wir ihr Tag für Tag antun. Unser Freund, der uns das Leben schön machen kann, wenn wir sehen, was da ist.
Freunde – heute ist es lang geworden – die Geschichte. Sie soll aber zeigen: „Wir müssen uns überlegen, was wir tun, damit all das endlich endet und etwas Platz macht, was das Wichtigste ist. Mensch und Natur sind miteinander unterwegs. Helfen sich gegenseitig. Wertschätzen was da ist. Zeigen: „Ich liebe dich. Du kannst dich auf mich verlassen.“